RUDOLF – DER LETZTE KUSS

Deutschland Premiere Festspielhaus Neuschwanstein, 7. Mai 2026

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Nach der Uraufführung 2006 in Budapest und der österreichischen Erstaufführung 2009 im Wiener Raimund Theater mit moderatem Spielzeiterfolg wurde das Musical um den tragischen Habsburger Kronprinzen nun sehr aufwendig überarbeitet, sozusagen generalüberholt.

Alles kam auf den Überarbeitungs-Prüfstand im Vergleich zu Wien: Christian Struppeck, Musicalintendant der Vereinigten Bühnen Wien höchstselbst nahm sich des Buches an, der renommierte Wolfgang Adenberg fertigte eine neue Übersetzung, Komponist Frank Wildhorn schrieb zwei neue Songs und gemeinsam mit Koen Schoots wurden die Arrangements ebenfalls komplett überarbeitet, die Szenenfolgen erfuhren neue Anordnung.

Das Ergebnis all dieser Bemühungen konnte man jetzt bei der Deutschland Premiere im prächtigen Festspielhaus Neuschwanstein erleben.

Und ja – es ist gelungen, auch wenn anfangs etwas Skepsis herrschte bei den Insidern, welche die Wiener Inszenierung in- und auswendig kennen – dazu zähle ich mich auch – bezüglich der geänderten Dialog- und Liedtexte. Doch es fügt sich alles, es ist mehr Zug im Geschehen, wobei es gleichzeitig geglückt ist, die Charaktere zu schärfen, mehr in die Tiefe zu gehen und auch die politischen Hintergründe mit all den Verstrickungen erscheinen nun klarer und verständlicher.

Die augenscheinlichste Neuerung ist gleich, wenn sich der Vorhang auf der riesigen Bühne im Festspielhaus hebt, dass es sich jetzt um eine höchst opulente, mit gigantischem Bühnenbild und großer Besetzung daherkommende Inszenierung handelt. Der komplette Gegensatz zur Wiener Produktion, welche sich reduziert und fast Kammerspiel-artig präsentierte.

© Michael Böhmländer

Regisseur Alex Balga setzt auf nahezu kinematische Inszenierung, an vielen Stellen fühlt man sich wie in einen Film Noir Krimi versetzt. Sehr gut eingesetzt sind auch einige Freeze-Szenen, die dafür sorgen, dass sich die hierdurch gezeigten Momente noch mehr einbrennen.

Bühnenbildner Morgan Large schöpft aus dem Vollen der riesigen und hohen Bühne mit der größten Drehbühne Europas, die weidlich eingesetzt wird, die Übergänge schnurren perfekt und schaffen ständig neue, großartige Bilder. Mittelpunkt ist eine gigantische Turm-artige Konstruktion, die auf mehreren Ebenen bespielt wird. Zur Wiener Szene mit der Eislaufbahn im Prater verwandelt sich das Set in ein Schneeflocken-Wintermärchen, die üppig besetzte Cast bewegt sich souverän auf Rollerskates zum walzerseligen Score.

© Michael Böhmländer

Der international an maßgeblichen Großproduktionen beteiligte Licht-Zauberer Michael Grundner sorgt mit punktgenauem Ausleuchten des oftmals düster-morbiden Plots mit Schattenspiel und kalten Spots in Abwechslung mit wärmer geleuchteten opulenten großen Ensembleszenen des höfischen Kaiserhofs dafür, dass man unweigerlich in das Geschehen gezogen wird.

Das alles hat enormen Schauwert, die detailverliebten und wunderbaren Kostüme sowie die Perücken tragen ebenfalls dazu bei, dass man gar nicht weiß, wohin man zuerst gucken soll, weil es soviel zu entdecken gibt.

Ein weiterer wesentlicher Pluspunkt ist das unter Maestro Koen Schoots großartig aufspielende Bohemian Symphony Orchestra Prague. Es geht doch nichts über ein richtiges Orchester! Dies ist am Festspielhaus die Ausnahme, bei der überwiegenden Mehrzahl der dortigen Produktionen kommt die Musik aus der Konserve.

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Die Tonaussteuerung ist famos, so dass zu jeder Zeit hervorragende Textverständlichkeit gegeben ist.

© Michael Böhmländer

Kommen wir zu den historischen Fakten. Bis zum heutigen Tage ist der genaue Ablauf dessen, was damals in der Nacht zum 30. Januar 1889 im Jagdschloss Mayerling geschah, nicht final offengelegt – das Kaiserhaus sorgte dafür, dass alles unter den Teppich gekehrt und Beweismittel vernichtet wurden. Einzig die Tatsache, dass im Morgengrauen die Leichen des Kronprinzen und seiner jungen, erst kurzzeitigen Geliebten Mary Baroness Vetsera erschossen im Schlafgemach aufgefunden wurden, ist belegt. Man geht davon aus, dass Kronprinz Rudolf erst Mary und dann sich selbst richtete, ein sogenannter erweiterter Selbstmord.

Viele Mythen ranken sich um diese Tragödie, diverse Verschwörungen zur Beseitigung des unbequemen Kronprinzen wurden kolportiert. Also genau der Stoff, der genüßlich in Literatur, Film und natürlich auch Musical Verwendung findet. Der Spannungsbogen dieses ganz Europa erschütternden Geschehens reicht von romantisiertem Selbstmord einer ausweglosen Liebschaft bis hin zu politisch gezielt geplantem Auslöschen.

Die historische Figur Rudolf ist alles andere als ein Sympathieträger. Vielmehr zeigt sich ein höchst labiler Charakter, drogenabhängig und durch ausschweifenden Lebenswandel in den Wiener Bordellen das Gehirn von Syphilis aufgeweicht gezeichneter Dreissigjähriger. Der zuerst seine langjährige Kurtisane Mizzi zum gemeinsamen Selbstmord überreden wollte und als diese ablehnte, die ihm in schwärmerischer erster Liebe verfallene erst 17-jährige Mary mit in den Freitod durch Erschießen gerissen hat.

Im Musical kommt Mary Vetsera als überaus kluge, reflektierte junge Frau daher. Was sie im tatsächlichen Leben, da fast noch ein Kind und in Ermangelung jeglicher Lebenserfahrung, niemals gewesen sein kann.

Das Musical in seinen 56 Szenen lebt genau von dieser Zerrissenheit des Kronprinzen und wie er sich beständig Richtung Abgrund manövriert, er verzweifelt daran, dass er seinen Ideen kein Gehör verschaffen kann. Die nur drei Monate andauernde Liebschaft mit Mary nimmt großen Raum ein, ohne jedoch zu sehr in Kitsch abzugleiten.

Die Figuren Kronprinzessin Stephanie – zynisch und zugleich hoffnunglos in ihrer freudlosen Ehe –

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sowie Gräfin Larisch sind jetzt besser ausgearbeitet. Es gibt eine neue Szene mit Gräfin Larisch und dem Antagonisten, Graf Taffee, in welcher man erfährt, dass die beiden früher eine Liaison hatten und Taffee dies für seine Zwecke, Rudolf auszuspionieren, einsetzen will. Doch er beisst bei der eigenständig auftretenden Gräfin auf Granit, sie lässt sich nicht für seine Intrigen benutzen.

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Neu ist auch, dass in zwei Szenen Kaiserin Elisabeth zu sehen ist. Und ein gelungener Coup ist, dass es einen kleinen Rudolf gibt, berührend die letzte Szene, als dieser sich nach dem Tod des Kronprinzen Richtung Sternenhimmel bewegt.

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Bei der Zusammenstellung der Cast wurde alles richtig gemacht. Oedo Kuipers in der Hauptrolle ist sowohl stimmlich, darstellerisch und optisch bestens besetzt, ebenso Katia Bischoff als optisch zart-fragile aber mental starke, enorm überzeugende Mary.

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Felix Martin gibt einen rollengerecht starrköpfigen alten Kaiser, Kristine Emde holt alles aus ihrem Rollencharakter der gedemütigten, aber immer noch ihre Würde bewahrende Kronprinzessin heraus.

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Barbara Obermeier ist eine formidable Gräfin Larisch, und Lucius Wolter verleiht seinem Grafen Taaffe die erforderliche unterschwellige Gefährlichkeit. Alle Genannten singen und spielen großartig, es ist ein Genuss, ihnen zuhören und zuschauen zu dürfen.

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Frank Wildhorn’s Partitur ist schwelgerisch, romantisch und teils mit Walzer versetzt und natürlich – er ist ja der Balladenkönig schlechthin! – ist einiges an Ohrwürmern dabei.

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Jonathan Huor versetzt mit seinen energetischen Choreographien das große Ensemble stimmig in Bewegung.

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Die Macher, kreativen Köpfe: Alex Balga Regie, Frank Wildhorn Musik, Koen Schoots Arrangement und Musical Supervisor

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Jonathan Huor, Choreographie, Alex Balga, Regie, Morgan Large, Bühnenbild, Michael Grundner Lightdesign

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Großer Jubel für alle Beteiligten:

Premierenparty – die Hauptdarsteller:

Oedo Kuipers

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Katia Bischoff

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Barbara Obermeier

Lucius Wolter

Kristine Emde

Fazit: Das Premierenpublikum geht von Anfang an mit Herz und Begeisterung mit und feiert die Produktion enthusiastisch. Unbestritten ein großer Erfolg und daher auch Empfehlung, sich ins idyllische Allgäu aufzumachen und die Produktion zu genießen.

Was als negativ zu vermerken ist: Es gibt (noch??) kein Programmheft. Schade.

Infos zu Spielplan und Tickets gibt es hier unter diesem Link:

Silvia E. Loske, Mai 2026

Fotocredits: Showfotos wie vermerkt © Michael Böhmländer
Schlussapplaus- und Premierenfeierfotos: © Musical Reviews (Silvia E. Loske und Petra Kornmeßer)

Schönes Video vom Premierenschlussapplaus auf Instagram _musical_reviews

Musical von Frank Wildhorn (Musik) und Jack Murphy (Buch)
Christian Struppeck (Buchbearbeitung)
Produktion in Kooperation mit Vereinigte Bühnen Wien, VBW

Kreative 
Musical SupervisorKoen Schoots
RegieAlex Balga
ChoreographieJonathan Huor
BühneMorgan Large
KostümeAlexandra Kica
LichtMichael Grundner
Darstellende 
Kronprinz RudolfOedo Kuipers
Mary Baroness VetseraKatia Bischoff
Kaiser Franz JosephFelix Martin
Kronprinzessin StephanieKristine Emde
Eduard Graf TaaffeLucius Wolter
Marie Gräfin LarischBarbara Obermeier
Mizzi KasparKristin Backes
WiligutMatthias Trattner
Moritz SzepsAndré Bauer
Ensemble: Jessica Trocha, Sophia Riedl, Julia-Elena Heinrich, Sarah Zippusch, Lesley Zellweger, Lorena Brugger, Bettina Schurek, Benedetta D’Onofrio, Birgit Busse, Kathryn Wieckhorst, Sarah Weidinger, Pauline Weschta, Paula Bresnik
Christoph Apfelbeck, Rinus Render, Christian Sattler, Arvid Assarsson, Jakob Pinter, Robert David Marx, Thijs Kobes, Samuel Adam. Riccardo Pastore, Gerrit Herricks, Paul Elias Gierlinger, Benedikt Berner

Es spielt das Bohemian Symphony Orchestra Prague unter der Leitung von Koen Schoots & Christoph Bönecker