Konzerte „La Notte Italiana“ und „Sternstunden der Klassik“
Stadthalle Wertingen, 25. und 26. Juli 2026

Im kleinen Städtchen Wertingen in Schwaben, Nähe Augsburg, wurden in der Woche vom 20. bis 26. Juli 2026 zum bereits vierten Male unter bester Organisation die „Wertinger Festspiele“ in der Stadthalle ausgetragen.
Veranstaltet und großzügig gefördert von der Charlotte & Hermann Buhl Stiftung, etablieren sich diese Festspiele von Jahr zu Jahr. Im Laufe der Festspielwoche gab es an drei Abenden eine Kinderoper, „Der Freischütz“, dann die Operette „Gräfin Mariza“ und zum Abschluss zwei Konzerte, am 25. Juli „La Notte Italiana“ und am 26. Juli „Sternstunden der Klassik“. Die beiden letztgenannten Veranstaltungen durfte ich live miterleben.
Die künstlerische Leitung der Festspiele obliegt dem Tenor Daniel Schliewa und seiner Ehefrau, Sopranistin Annika Egert.

An beiden Konzertabenden wird das Paar auf der Bühne stimmgewaltig flankiert von der Mezzosopranistin Freya Apffelstaedt

und dem Bariton Daniel Gutmann, Starsolist vom Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz. Jedes Musikfestival/Konzertformat kann sich glücklich schätzen, ihn im Programm zu haben mit seiner enormen Vielseitigkeit, Bühnenpräsenz, Charme und Stimmgewalt.

Bei der am Freitag veranstalteten „La Notte Italiana“ konnten die Solisten auf das bestens eingespielte elfköpfige Orchester Camerata Augsburg unter dem Dirigat von Stellario Fagone aufbauen. Zu meiner Freude moderierte Stellario Fagone den Abend mit unnachahmlicher italienischer Leichtigkeit, überaus pointiert gab er Anekdoten und Hintergrundwissen zu den Komponisten und deren Werken zum Besten und sorgte damit im Publikum (jeweils knapp 400 Besucher) für großes Amüsement.

Zusätzlich zur Live-Darbietung wurden auf einer riesigen Leinwand im Hintergrund thematisch passende LED-Einspielungen gezeigt. Eine gute Idee, doch die Bilder waren sehr grell, hier wäre künftig weniger mehr, sprich Reduzierung der Leuchtkraft.
Der Sound in der Mehrzweckhalle war zwar gut aber natürlich nicht ideal, kann man bei einer solchen Location auch nicht erwarten. Aber wie man hört, wird im Auftrag der genannten Buhl Stiftung ein Musik- und Konzerttheater in zentraler Ortslage erbaut. Man darf gespannt sein!

Das Programm am Samstag, Notte Italiana, ehrte natürlich die großen italienischen Komponisten wie Verdi, Puccini und Donizetti. Doch auch Mozart durfte nicht fehlen.
Die für mich subjektiven Höhepunkte waren: aus DON GIOVANNI „Madamina“, die Arie des Leporello, aus der gleichen Oper das Liebesduett „La ci darem al mano“, aus TOSCA „E lucevan le stelle“,

aus Puccinis TURANDOT „Nessun Dorma“ (Tenor + die drei Solisten als „Backgrounds“), und ein ebenso stimm- wie lautstarkes, amüsantes „O sole mio“, in welchem sich Tenor, Bariton und Sopran gegenseitig zu übertrumpfen suchten.
Hier nachfolgend Szenen aus den diversen Stücken:
Daniel Gutmann mit der Arie des Dandini „Come un’ape“ aus Rossinis LA CENERENTOLA. Ab März 2027 kann man ihn in dieser Rolle am Staatstheater Nürnberg in einigen Aufführungen erleben

„La ci darem al mano“ aus Mozarts DON GIOVANNI: Zerlina hat keine Chance, seinen Verführungskünsten zu entkommen.



Er weiß, dass er gewonnen hat …

Und sehr unterhaltsam: ebenfalls aus DON GIOVANNI, die Arie des Dieners Leporello, „Madamina“, in welcher dieser akribisch anhand seines Büchleins ausführt, wie viele Damen sein Herr in welchen Ländern flachgelegt hat.

Und siehe da: auch eine stattliche Anzahl Wertinger Ladies ist dabei!


neben so etlichen Celebrities …


Was für eine überaus nette Idee des Künstlers, noch rasch am Morgen vor dem Auftritt dieses Büchlein zu basteln!

Am darauffolgenden Sonntag gab es zwar kein Orchester, aber dafür einen weiteren Tenor, nämlich Philip Lüsebrink. Und neben Oper gab es auch reichlich Operette und Musical zu genießen.

Am Flügel wurden die Künstler begleitet von Stellario Fagone.
Meine Highlights waren: aus Bizets CARMEN „Habanera“ und „Votre Toast“, das „Vilja-Lied“ aus Lehárs DIE LUSTIGE WITWE, aus dem Hit Musical LES MISÉRABLES „Sterne“, das „Wolgalied“ aus Lehár’s DER ZAREWITSCH, aus dem Film DIE DREI VON DER TANKSTELLE „Ein Freund, ein guter Freund“ und die Wien-Fraktion war natürlich auch vertreten:
„Wien, Wien nur Du allein“ (Annika Egert) von Rudolf Sieczynski und in herrlichem Weaner Dialekt Daniel Gutmann mit Gitarre, „I bin a stiller Zecher“ von Hermann Leopoldi.
Und als Abschluss der wunderschöne, sehr ruhige und intime „Abendsegen“ aus HÄNSEL UND GRETEL von Humperdinck.

„Votre toast“, der charismatische Toreador aus CARMEN. Kürzlich mit großem Erfolg Escamillo-Daniel Gutmann beim Wiener Opernsommer in dieser Rolle zu bewundern.
Und auch in Wertingen: Abgang von der Bühne mittels Backflip – Publikum schreit auf vor Begeisterung!


„Ach, ich hab‘ sie ja nur auf die Schulter geküsst“ – Oberst Ollendorf aus Carl Millöckers DER BETTELSTUDENT ist überaus pikiert, wie mit ihm umgegangen wird.

Ich hab‘ manches schon erlebt, aber so etwas noch nicht!!“, lamentiert er

„Ein Freund, ein guter Freund“: DIE DREI VON DER TANKSTELLE, mit kleinem Tänzchen


Aus Bernstein’s WEST SIDE STORY „Tonight“


„I bin a stiller Zecher“ – Weaner Schmäh vom Feinsten!


Applaus, Applaus:






Fazit: Zwei gelungene Konzertabende mit bestens aufgelegten Musikern und Solisten, gerne mehr davon!
Silvia E. Loske, Juli 2026
© aller Fotos: Musical Reviews
Videos der beiden Abende zu finden auf Instagram unter
_musical_reviews
